Kurz gesagt
KNX lässt sich im Altbau nachrüsten. Am einfachsten bei einer Sanierung mit offenen Wänden, weil die Busleitung dann neben den Stromleitungen liegt. Ohne Sanierung gibt es zwei Wege: vorhandene Leerrohre nutzen oder Taster und Sensoren per KNX RF über Funk anbinden. Vorher prüfen wir den Zustand der alten Elektrik und ob im Verteiler genug Platz für die KNX-Geräte ist.
Kann man KNX im Altbau nachrüsten?
Ja. Ein Fachbeitrag der KNX Association weist darauf hin, dass der größte Teil der Häuser, in denen wir künftig wohnen, schon steht. Die Nachrüstung wird deshalb zum Normalfall.3 Die Frage ist nicht ob, sondern wie viel Aufwand in Ihrem Haus nötig ist. Das entscheiden drei Dinge: ob Wände geöffnet werden, wie die vorhandenen Leitungen verlegt sind und wie viel Platz der Verteiler hat.
Welche Wege gibt es, KNX nachzurüsten?
| Weg | Passt, wenn | Aufwand |
|---|---|---|
| Busleitung bei offenen Wänden | Sanierung, neue Elektroinstallation, Umbau | gering, wenn ohnehin Leitungen verlegt werden |
| Busleitung in vorhandenen Leerrohren | Leerrohre mit freiem Platz bis zu den Dosen | mittel, kaum Stemmarbeit |
| KNX RF über Funk | keine Wände öffnen, einzelne Räume ergänzen | gering, dafür Batterien und Funkplanung |
| Mischung | Kabel in sanierten Räumen, Funk im Rest | je nach Umfang |
- Offene Wände: Bei einer Sanierung wird die grüne Busleitung zusammen mit den neuen Stromleitungen verlegt. Das ist der Weg mit dem besten Ergebnis, weil alle Geräte über den Bus laufen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt kabelgebundene Systeme genau für diesen Fall.2
- Leerrohre: Liegen im Haus Leerrohre mit Platz, lässt sich die Busleitung oft ohne Stemmarbeit nachziehen. Ob das geht, sehen wir erst vor Ort.
- KNX RF: Die Funkvariante von KNX arbeitet auf 868 MHz. Ein Medienkoppler verbindet die Funkgeräte mit der Busleitung, programmiert wird alles in ETS6.1 Batteriebetriebene Funktaster lassen sich ohne Stromleitung an die Wand setzen.1
Auch über die vorhandene Stromleitung lassen sich Daten senden. Laut Verbraucherzentrale überträgt diese Powerline-Technik aber weniger Daten, ist störanfälliger und eignet sich nicht für große Distanzen.2 Wir planen deshalb mit Busleitung und Funk.
Wo liegen die Grenzen von Funk im Bestand?
Funk ist kein Allheilmittel. Ein Praxisbeitrag auf der Seite der KNX Association nennt die Punkte, auf die wir bei der Planung achten:3
- Reichweite: Metalldosen in der Wand können die Reichweite auf rund 10 Prozent der angegebenen Distanz senken. Standorte für Repeater müssen deshalb sorgfältig gewählt werden.
- Dosentiefe: Sind alte Unterputzdosen zu flach für die neuen Geräte, braucht es tiefere Dosen oder Adapter.
- Batterien: Funktaster laufen mit Batterie, die regelmäßig getauscht werden muss.
- Reaktion: Die Datenrate ist geringer als auf der Busleitung, und die Rückmeldung am Taster kommt nicht sofort.
Der Autor empfiehlt deshalb, überall dort Kabel zu legen, wo es machbar ist.3 Diese Haltung teilen wir. Den ausführlichen Vergleich lesen Sie im Ratgeber KNX oder Funk.
Was braucht der Verteiler für KNX?
Bei KNX sitzen Spannungsversorgung, Schalt-, Dimm- und Jalousieaktoren im Verteiler. Dafür braucht es Platz. Schon die Mindestausstattung nach DIN 18015-2 sieht laut Initiative ELEKTRO+ eine Platzreserve von 20 Prozent in Stromkreisverteilern vor, damit spätere Änderungen und Gebäudesystemtechnik möglich sind.4 Ältere Verteiler haben diese Reserve oft nicht. Dann kommt eine zusätzliche Unterverteilung dazu oder der Verteiler wird erneuert. Steht ohnehin ein Umbau für PV oder Wallbox an, planen wir das in einem Zug.
Was prüfen wir vor dem Nachrüsten?
- Zustand der Elektrik: Laut Elektrohandwerk hat jedes zweite Wohngebäude erhebliche Mängel bei der Elektroausstattung.5 KNX auf eine Anlage mit Schraubsicherungen und Leitungen ohne Schutzleiter zu setzen, ergibt keinen Sinn. Ein E-Check der Elektroanlage klärt das vorab.
- Leitungswege: Wie laufen die Leitungen zu Lampen und Rollläden, gibt es Leerrohre und Platz in den Dosen?
- Verteiler: Reicht der Platz, oder braucht es eine Unterverteilung?
- Funktionen: Was soll gleich kommen, was später? Licht und Rollläden sind der klassische Start.
- Fernzugriff: Soll die Anlage per App bedient und aus der Ferne gewartet werden, planen wir das mit KNX Secure, das Telegramme verschlüsselt und authentifiziert.6
Kann ich Raum für Raum nachrüsten?
Ja, das ist ein großer Vorteil von KNX. Sie können mit dem Wohnzimmer oder den Rollläden im Erdgeschoss anfangen und bei jeder weiteren Renovierung einen Raum dazunehmen. Weil KNX ein offener, genormter Standard ist,7 passen auch Geräte, die Sie in einigen Jahren kaufen, in dieselbe Anlage. Wichtig ist nur, dass Verteiler und Leitungswege von Anfang an für den Endausbau geplant werden. Was die einzelnen Bausteine kosten und wovon der Preis abhängt, erklärt der Ratgeber KNX Kosten im Einfamilienhaus.
Wer rüstet KNX in Oberschwaben nach?
Wir sind zertifizierter KNX-Partner Nr. 143308 und projektieren in ETS6. Bei einer Nachrüstung sehen wir uns zuerst Verteiler, Leitungen und Dosen an und sagen Ihnen dann, welcher Weg in Ihrem Haus sinnvoll ist. Nach der Inbetriebnahme bekommen Sie das ETS-Projekt und die Dokumentation.
Für das erste Gespräch helfen drei Dinge: ein Foto vom geöffneten Verteiler, ein einfacher Grundriss und eine kurze Liste, was in welchem Raum gesteuert werden soll. Schreiben Sie auch dazu, ob in den nächsten Jahren eine Sanierung, eine PV-Anlage oder eine Wallbox geplant ist. Dann können wir den Verteiler gleich passend auslegen. Mehr dazu beim KNX-Elektriker in Oberschwaben.
Quellen
- KNX Association: Retrofitting KNX, how radio frequency technology offers a reliable and flexible solution (16.10.2023)
- Verbraucherzentrale: Smart Home, das intelligente Zuhause (24.02.2026)
- KNX Association: Best Practice, KNX RF als Funklösung für die Nachrüstung (09.02.2015)
- Initiative ELEKTRO+: Presseinformation zu RAL-RG 678 (30.12.2024)
- Elektrohandwerk (ZVEH): Ist Ihre elektrische Anlage sicher?
- KNX Association: What makes KNX the secure solution for your smart building? (20.10.2024)
- Baunetz Wissen Elektro: KNX-Bussystem, Normen und Übertragungsmedien